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Friedenspreis für die NATO: Ehrung unter Protest

Verantwortlicher Autor: Martino Brando Münster, 04.10.2026, 23:51 Uhr
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Friedrich Merz, Mark Rutte und Reinhard Zinkann bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO.
Friedrich Merz, Mark Rutte und Reinhard Zinkann bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO.  Bild: Martino Brando

Münster [ENA] Die NATO ist in Münster mit dem Internationalen Preis des Westfälischen Friedens ausgezeichnet worden. Mark Rutte nahm den Preis entgegen, Friedrich Merz hielt die Laudatio. Während im Rathaus gefeiert wurde, protestierten die Friedensgruppen gegen die umstrittene Auszeichnung des Militärbündnisses.

Ein Friedenspreis für ein Militärbündnis: Die Ehrung der NATO hat in Münster eine grundsätzliche Kontroverse ausgelöst. Am 1. Oktober 2026 nahm Generalsekretär Mark Rutte im Historischen Rathaus den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens entgegen. Während die Preisstifter das Bündnis als Garanten für Stabilität würdigten, protestierten Friedensgruppen gegen die Auszeichnung. Bundeskanzler Friedrich Merz begründete sie mit der Sicherheit Europas angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Im Mittelpunkt steht damit ein Streit über den Weg zum Frieden: militärische Abschreckung und Stärke oder Abrüstung und zivile Konfliktlösung.

Merz und Rutte bei der umstrittenen NATO-Ehrung.
Merz über die NATO: „Sie dient dem Frieden.“
Protest gegen den Friedenspreis für die NATO.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst eröffnete den Festakt mit einem Plädoyer für Diplomatie, Vertrauen und glaubwürdige Verteidigungsfähigkeit. Er würdigte auch den Kurs des Bundeskanzlers. Anschließend erhielt zunächst das Jugendnetzwerk socioMovens seine Auszeichnung, bevor Merz die Laudatio auf die NATO hielt und mit WWL-Vorsitzendem Reinhard Zinkann den Preis überreichte. Mark Rutte nahm ihn für das Bündnis entgegen und bekräftigte die Unterstützung der Ukraine. Im Saal wurde applaudiert. Die taz deutete Merz’ Rede als Werbung für weitere Aufrüstung: Der Festakt machte damit auch die politische Botschaft hinter der umstrittenen Ehrung sichtbar.

Rutte: „Weitermachen und die Ukraine unterstützen.“
Wüst setzt auf Diplomatie und Verteidigungsfähigkeit.
Applaus im Saal, Protest gegen die NATO-Ehrung draußen.

Der mit 50.000 Euro dotierte Jugendpreis ging an socioMovens – Giving Europe a Soul. Das Netzwerk verbindet junge Menschen aus Mittel- und Osteuropa durch Begegnungen, Bildungsangebote und soziale Projekte. Kardinal Michael Czerny würdigte in seiner Laudatio ihren Einsatz für Verständigung und gesellschaftliche Verantwortung. WWL-Vorsitzender Dr. Reinhard Zinkann betonte, Frieden sei eine gemeinsame Aufgabe von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Neben Dialog, verbindlichen Regeln und Wehrhaftigkeit brauche es Menschen, die Frieden im Alltag leben. Die junge Generation rief er dazu auf, Europa und Frieden als eigene Gestaltungsaufgabe zu begreifen.

Junge Stimmen aus Kroatien, Ungarn und Rumänien – gemeinsam für Verständigung in Europa.
Europa braucht moralische Orientierung. Europa braucht seine Seele.“ – Kardinal Michael Czerny
„Frieden braucht Dialog. Frieden braucht Regeln.“ – Reinhard Zinkann

Die Preisverleihung hinterlässt eine offene Frage: Wie lässt sich Frieden dauerhaft sichern? Die NATO-Ehrung betont militärischen Schutz und Abschreckung; ihre Kritiker setzen auf Abrüstung, Diplomatie und zivile Verständigung. Die Proteste waren während der Reden bis ins Rathaus hörbar. Im von mir beobachteten Bereich blieben sie ohne erkennbare Zwischenfälle. Gabriele Koch am Gesang, begleitet von Bass und Piano, gestaltete den musikalischen Rahmen. Die Europafahne am historischen Rathaus erinnerte an das gemeinsame Friedensversprechen. Bei der Abfahrt von NATO-Generalsekretär Mark Rutte blieben auch die Demonstranten sichtbar: Der Festakt endete, die Debatte geht weiter.

Gesang und Kontrabass begleiteten die Verleihung des Internationalen Friedenspreises in Münster.
Das historische Rathaus Münster, Schauplatz der Preisverleihung – mit Europaflagge und Polizeipräsenz.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte fährt unter Protest an Demonstrierenden vor Münsters Rathaus vorbei.
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